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Dental Blog

 

11.05.2010

Lieber das altbekannte Unglück als das unbekannte Glück

Nichts hasst das menschliche Gehirn mehr als Veränderungen. Sogar dann, wenn die augenblickliche Situation subjektiv als unangenehm empfunden wird. Da kommt jede Begründung recht, im alten Muster zu verharren.

Neurologen erklären das so: durch das Festlegen von Routinen – Beanspruchung immer der selben Synapsen – schafft das Gehirn sich freie Kapazitäten für andere Dinge. Dabei wird auch eine niedriggradige Veränderung zum Schlechten kaum wahrgenommen, wie das Beispiel des "gekochten Froschs" zeigt: ein Frosch, der in heißes Wasser gesetzt wird, springt nämlich mit einem Satz aus dem Topf. Wenn er in kühlem Wasser eingesetzt wird, das nur allmählich erwärmt wird, bleibt er angeblich sitzen bis er gar ist. (Anm.: habe ich nicht selbst ausprobiert wg "armer Frosch" usw)

Dass auch der Mensch "ein Gewohnheitstier" ist, sagen diverse Sprichworte mehr oder weniger deutlich. Wir halten uns bloß zugute, einen klugen Verstand zu haben und damit rationale Entscheidungen zu fällen, wenn es um wichtige Dinge geht.

Meine Beobachtung entspricht eher der Überschrift. Interessanterweise ist es trotzdem nicht der Bauch, der uns leitet, sondern gerade unser Gehirn, das sich die Dinge einfacher macht und aus auf den ausgetretenen Pfaden hält.

Dr. Armin Jäkel


23.04.2010

Fahndung !!!

Gesucht:

Zahnärztlicher Körperschaftsvorstand (Kammer oder KZV)
Deutsche/r
Alter egal
mit eigener Praxis und zertifiziertem QM-System nach ISO 9001*

Bitte Mitteilung an Dr. Armin Jäkel – Fon 0163 – 23 81 892
Nehme dankbar jede bestätigte Meldung entgegen.


* Es muss doch wenigstens einen in ganz Deutschland geben! Woher käme denn sonst die Erkenntnis, dass QM-Systeme nichts weiter sind als ein bürokratischer Klotz am Bein? Eine Gleichschaltung der Praxen, eine Erwerbsmöglichkeit für Berater, die ohnehin nichts von ZHK verstehen usw.

Das muss doch irgendwoher kommen! Man kann so etwas doch nicht einfach behaupten. Immerhin gibt es nicht wenige Praxen, die das seit vielen Jahren machen - und genau gegenteiliger Ansicht sind.


10.03.2010

Werbung  oder  "Dann machen wir das mit den Fähnchen!"

Kennen Sie die geniale Werbung der Sparkassen? In einer Vorstandssitzung wird über Werbung für die Bank diskutiert. Ein Teilnehmer schlägt vor, Fähnchen mit dem Namen der Bank zu verteilen. Eine weibliche Teilnehmerin der Runde macht den Vorschlag: "Oder wir machen es wie die Sparkassen." Begeisterte Zustimmung! Dann die Frage: "Was brauchen wir dafür?"

Als klar wird, dass das tolle Ziel eine nicht geringe Investition voraussetzt, herrscht kurz ein allgemeines Schweigen. Schließlich der Entschluss des Vorsitzenden:" Okay, dann machen wir das mit den Fähnchen!"

Für mich ist das der beste Werbespot der letzten Zeit. Und ich muss dabei an zahnärztliche Werbung denken, die oft dramatisch an der Sache vorbei geht.

Die Frage ist: Was will ich mit Werbung erreichen? Bin ich zufrieden, meinen Praxisnamen auf dem gewählten Medium zu sehen, ein hübsches Logo? Oder habe ich ein Argument, das den Verbraucher überzeugt, dass meine Praxis für ihn die beste Wahl ist?

Mein Praxisname bedeutet für die Öffentlichkeit nichts anderes als "Aha, den/die gibt es auch". Wirbt das für mich? Definitiv nicht, auch nicht, wenn schöne Bilder dabei sind und die Patientenorientierung der Praxis beschworen wird. Auch die Aufzählung der Behandlungsschwerpunkte etc. ist im Sinne der Werbung nicht hilfreich. ( Fähnchen! )

Es gibt eigentlich nur zwei Argumente: den kleinen Preis oder nachgewiesene Qualität. Alles andere streichelt höchstens das zahnärztliche Ego.

Aber nachgewiesene Qualitätsstandards brauchen eine Investition. Sonst sind sie nicht fassbar, nicht prüfbar. Behauptungen, Selbstdarstellungen bringen niemanden weiter. Dann kann man auch das mit den Fähnchen machen.

Dr. Armin Jäkel


01.03.2010

Eine Unterhaltung am Telefon

"Was tut TruDent für die laufenden Gebühren, die ich zahlen soll?"

"Dafür unterhalten wir eine Organisation, die unsere vereinbarten Qualitätsstandards überprüft."

"Ich bezahle also die Kontrolle meiner Praxis?"

"Ja, ich verstehe auch Ihre Irritation. Aber ohne diese Kontrolle hätten wir nichts Substantielles, um Ihre Qualitätsleistungen zu bewerben c und genau das macht den Unterschied"

"Ich bin auch Mitglied in zwei Fachverbänden. Das ist viel billiger."

"Ich weiß nicht, was die Verbände konkret für Sie tun. Sicher bringen Sie Ihnen aber nicht neue Patienten."

"Lohnt sich der Einsatz denn?"

"Für unsere langjährigen Partner lohnt er sich bestimmt. Sonst wären sie schon lange nicht mehr bei uns."

"Das ist ja wirklich was Neues!" (Lacht)

"Ja, neu! Und immer noch einzigartig. Es hat nichts, aber auch gar nichts, mit den üblichen Selektivverträgen zu tun."

"Aber Sie wollen doch Gewinne machen als AG?"

"Stimmt, auch eine 'kleine AG', also nicht börsennotiert, braucht Gewinne. So wie jede Praxis. Ihre doch auch, hoffe ich."

Kurze Pause

"Wollen Sie mich mal besuchen, wenn sie durch Hannover kommen?"

               "Wollte ich Ihnen gerade vorschlagen. Wir sollten uns persönlich kennen lernen."

Abschließende Worte zum Gesprächsende

Dr. Armin Jäkel


28.01.2010

Gehirnwäsche

Aus einer der letzten Ausgabe des Zahnärzteblatts SH konnte man entnehmen, dass Kollegen, die Selektivverträge unterzeichnet haben bzw. dies wollen, von der Kammer zu Beratungsgesprächen eingeladen werden.

"Eingeladen" hört sich nett an, genauso wie "Beratungsgespräch". Tatsächlich geht es um Gruppendruck auf die Praxen. Aus Sicht der Kammer kann ich irgendwie verstehen, dass sie versucht, ihre Schäfchen zusammenzuhalten. Da schickt sie halt die Hütehunde los. Was mich aber erstaunt, ist das Verhalten vieler Praxen.

Die Mehrzahl hat wohl den Schutz der Herde nötig und das Wohlwollen des Schäfers. Sie muss es in Kauf nehmen zu leiden, weil der Schäfer zwar so tut, als sorge er für sie, aber nur dürre Weiden anbieten kann.

Praxen, die aufrecht und qualitätsbewusst ihren Weg gehen, brauchen andere Partner.

Merke: Es ist gerade die große Herde, die über Jahrzehnte nichts erreicht hat. Politik und Kostenträger im Gesundheitswesen handeln frei und nach Gutdünken. Der Berufspolitik bleibt wenig mehr als die gemeinsamen Pressefotos für die Interne Berichterstattung.

Es ist abzusehen, dass sich noch in diesem Jahr die Geister scheiden werden. Die einen werden über nachgewiesene Qualitätsstandards punkten können, die anderen sich irgendwie den Rest teilen. So ist das ganze Leben.

Dr. Armin Jäkel


15.01.2010

Öffnungsklausel in der neuen GOZ

Der PKV-Verband fordert seit Langem die Möglichkeit, Ärztegruppen über gesonderte Verträge kontrahieren zu können – analog zu den Selektivverträgen in der GKV.

Natürlich – und das ist zu erwarten – kämpfen zahnärztliche Körperschaften vehement gegen diese Bestrebungen, wie sie auch die Rücknahme des 73 c aus dem SGB V verlangen.

Das Argument ist immer das gleiche: Versicherungen und Krankenkassen wollten die einzelne Praxis in unzumutbare Honorarabschlüsse drängen. Dann folgt das Bild von den 'gleich langen Spießen', die nur die Gesamtheit der Zahnärzteschaft habe.

Ist das alles wahr? Man kann ja mal über folgende Fakten nachdenken:

Weder private noch gesetzliche Versicherer wissen, was konkret hinter einer Abrechnung steht. Oft genug habe ich mir anhören müssen "Wir wissen nicht, ob die abgerechneten Leistungen wirklich erbracht wurden, wir wissen nicht, ob sie indiziert waren, und über die Behandlungsqualität in der einzelnen Praxis wissen wir auch nichts. Wir sollen nur bezahlen."

Ich weiß, dass dem einzelnen redlichen und tüchtigen Behandler bei solchen Fragen der Hut hoch geht, weil er sich einem Pauschalverdacht ausgesetzt sieht. Das ist er auch. Aber genau das ist der Grund dafür, dass sich solche Kolleginnen und Kollegen zusammenschließen und zeigen, was sie können und wie sie es tun.

Zahnärztliche Körperschaften haben noch nie besonders lange Spieße im Streit mit Versicherern gehabt, weil sie, um im Bild zu bleiben, das große Heer der schwachen und lustlosen mitschleppen müssen. Es gibt aber Alternativen.

Dr. Armin Jäkel


20.11.2009

Die Wagenburg der Qualitätsverweigerer

Es gibt in vielen deutschen Regionen Zahnärztegruppen, die sich vor etlichen Jahren gebildet haben, als allgemein befürchtet wurde, die KZVen könnten abgeschafft werden. Diese 'Ortsgruppen' treten als eingetragene Vereine auf und haben sich eine Satzung gegeben.

So weit, so gut.

In manchen dieser Satzungen finden sich jedoch Formulierungen wie diese:

"…Insbesondere ist es auch Aufgabe des Vereins, Einzelverträge mit den Krankenkassen oder Dritten abzuwehren."

Die Mitglieder verpflichten sich insbesondere, keine Einzelverträge mit gesetzlichen oder privaten Kostenträgern abzuschließen, welche dem Zweck der Vereinigung zuwider laufen und der Solidarität der Mitglieder schaden könnten. Ein Verstoß gegen diese Verpflichtungen soll mit dem Ausschluss aus der Vereinigung geahndet werden.

Dass sich diese Vereine als eine Art lokale Kampfverbände sehen, ist bekannt. Leider kämpfen sie mit unlauteren Mitteln. Mittels einer Vereinssatzung eine Wettbewerbssperre zu verhängen, dürfte nicht nur sittenwidrig sein, sondern auch unter Aspekten des Kartellrechts rechtswidrig sein. Ein starkes Stück!

Andererseits frage ich mich, was damit erreicht wird. Haben diese Vereine schon jemals irgendetwas erreicht? Haben sie einer Praxis in ihrer Entwicklung geholfen? Ist es vorstellbar, dass diese Vereine für seriöse Kostenträger als Vertragspartner in Frage kommen?

Besonders interessant wird es, wenn solche Vereine gegen TruDent-Partner vorgehen. Sie betätigen sich dann als Qualitätsverhinderer, weil sie die Zahnärzte zu schützen versuchen, die sich konsequenten Qualitätsanstrengungen entziehen. Das Argument "Freie Arztwahl zum Wohle des Patienten" sticht hier nicht. Die freie Arztwahl ist in keiner Weise eingeschränkt. Dass viele Patienten sich allerdings unter Qualitätsaspekten entscheiden, ist nicht nur unsere tägliche Erfahrung sondern auch deren gutes Recht.

Die Unterdrückung besonderer Qualitätsmerkmale einer Praxis dient nicht dem Wohle des Patienten. Sie ist allenfalls der peinliche Versuch einer Besitzstandswahrung.

Und er ist nicht nur peinlich, sondern auch kontraproduktiv, weil er dem Preisargument komplett das Feld überlässt.

Wissen Sie, warum sich Schnäppchen und billiger Zahnersatz so gut verkaufen? Weil immer noch von Zahnärztekammern abgestritten wird, dass die reale Behandlungsqualität in deutschen Praxen genauso unterschiedlich ist wie in beliebigen anderen Lebensbereichen.

Dr. Armin Jäkel


09.11.2009

Schweinegrippe – jetzt aber mit Gewalt 

Der Seuchen-Experte Prof. Dr. med. Adolf Windorfer prognostiziert 35.000 Todesfälle durch die Schweinegrippe.

Woher er das nimmt, weiß keiner. Ohnehin werden jedes Jahr zwischen 1.000 und 30.000 Tote der Grippe zugeschrieben. Anscheinend geht es aber darum, Druck auf zaudernde Bundesbürger zu machen. Irgendwie müssen diese Mengen an Impfserum nun auch verbraucht werden. Stellen Sie sich mal vor, das ganze eingekaufte Zeug wird nicht abgefordert.

Naja, ich werde nach dem sicher einfältigen, mir aber gefälligen Motto leben: Bin kein Schwein, die Grippe geht an mir vorbei. J Und wenn nicht, dann muss ich mal ein paar Tage ins Bett. Auch nicht schlecht.

Übrigens: in letzter Zeit mal wieder was von der Vogelgrippe gehört? Oder vom Rinderwahnsinn?

Dr. Armin Jäkel


27.10.2009

"Zahnmedizin ist ein freier Beruf" sagt die Berufsordnung

Die Wahlen sind gelaufen. Es ist immer noch kein Geld da – für nichts. Trotzdem hoffen Zahnärzte auf Wunder. Jetzt wird ein junger und wahrscheinlich fähiger FDP-Mann Gesundheitsminister. Wird er die Zahnärzte beschenken? Mit einer drastischen Punktwertaufbesserung der GOZ? Mit einer Rücknahme der Selektivverträge? Oder mit … was auch immer Zahnärzte sich wünschen?

Noch einmal: es ist kein Geld da, das der Staat verschenken kann. Eine zusätzliche Belastung der Versicherten ist so unpopulär wie nichts anderes. Und Selektivverträge dienen dem Wettbewerb. Dazu ist die FDP angetreten.

Ist das enttäuschend? Für schwache Praxen sicher. Sie halten Wettbewerb auf Dauer nicht aus. Aber ist es nicht das wesentliche Charakteristikum des "Freien Zahnarztes", dass er sich selbst hilft, eigene Entscheidungen trifft, Erfolg und Misserfolg selbst verantwortet?

Dr. Armin Jäkel


01.10.2009

Augenhöhe?

Erneut hat ein Bundesgericht eine deutsche Zahnärztekammer in die Schranken verwiesen. Das Bundesveraltungsgericht in Leipzig urteilte am 24. Oktober in letzter Instanz in einer seit sechs Jahren anhängigen Klage der TruDent AG gegen die Zahnärztekammer Westfalen-Lippe. Diese hatte einer Partner-Praxis in Bergkamen jegliche Verwendung des TruDent-Qualitätssiegels verboten.

Man muss sich das einmal vorstellen: fünf Bundesrichter in roten Roben befassen sich mit der Frage, ob das Qualitätssiegel die Volksgesundheit gefährdet. Dahin ging nämlich die Argumentation der Kammer. Nach zweistündiger Verhandlung war die Zahnärztekammer Westfalen-Lippe mit ihren verquasten Rechtfertigungsversuchen des Verbots endgültig gescheitert. Die Kammer hatte verloren. Sie war – so kann man es durchaus formulieren - dem gesunden Menschenverstand unterlegen.

Zahnärztliche Körperschaften lassen regelmäßig verlauten, dass sie sich, etwa von der Politik, einen Umgang 'auf Augenhöhe' wünschen. Manche haben noch nicht verstanden, dass sich das Niveau des Umgangs von selbst einstellt - als Folge der eigenen Seriosität - oder eben auch nicht.

Dr. Armin Jäkel


14.09.2009

Das Duell

Halb Deutschland sitzt vor den Bildschirmen, tagelang und in immer dichteren Info-Beiträgen wird auf dieses Duell hingewiesen. Man denkt unwillkürlich an nebeldurchwaberte Szenen auf einer Waldlichtung im Morgengrauen. Sekundanten mit ernsten Gesichtern laden Pistolen,  prüfen und überreichen sie. Die Duellanten stehen Rücken an Rücken und warten auf das Kommando, zehn Schritte zu gehen.

Und dann? Dann treten eine freundliche Kanzlerin und ihr netter jovialer Außenminister an die Stehpulte im Fernsehstudio und versichern einander gegenseitiger Wertschätzung – mit einigen vorsichtigen Korrekturen am jeweils anderen Regierungsprogramm. Wirklich schwer auszuhalten! Millionen von Zuschauern und hunderte von Journalisten in einem Nebenraum hören sich genau das an, was sie schon x-mal gehört haben und eigentlich alle schon singen können.

Nicht, dass ich blutrünstig wäre oder einem der "Duellanten" etwas Schlimmes wünschte –dazu sind sie wirklich zu nett! – aber es wäre doch nicht schlecht gewesen, klare Positionen zu besetzen und ein scharfes Profil zu zeichnen.

Und wie geht es weiter in der Gesundheitspolitik? Genau wie bisher! Dabei dürfte es unerheblich sein, ob Frau Schmidt wieder das Amt verwaltet oder jemand anderes. Es würde nicht einmal einen Unterschied machen, wenn Schwarz-Gelb eine Regierung zusammen bringen würde, was zunehmend unwahrscheinlich wird.

Seit langem erwarten unsere Körperschaften irgendein Wunder – welches wissen sie wohl auch nicht - nach der Wahl. Eine neue Gesundheitspolitik soll den Praxen bessere Zeiten bescheren. Fakt ist aber, dass es keine Bescherungen gibt, außer zu Weihnachten. Und da müssen sie die Geschenke schon selber kaufen.

In der Zahnmedizin geht es ganz einfach weiter:

Es wird die neue GOZ kommen, einschließlich der Öffnungsklausel. Der Wettbewerb wird sich verschärfen, und zwar in einem über Jahre schwachen Markt. Zahnärzte können zusehen, wie sie zurechtkommen. Sie können schnell und billig arbeiten, um an neue Patienten zu kommen. Oder sie zeigen, dass sie Qualität leisten können und wollen. Das nimmt ihnen per Selbstdarstellung aber niemand ab. "Don't tell me – show me!" Das kennen auch  Patienten.

Dr. Armin Jäkel


07.09.2009

Zahnmedizin gegen den Rest der Welt

Die Umfrage einer deutschen Großbank ergab kürzlich, dass Zahnärzte den erwarteten Konjunktureinbruch am ehesten spüren werden. Immerhin gaben 72% der Befragten an, am Zahnersatz sparen zu wollen. Herzlichen Glückwunsch! Das kann eine gemütliche Zeit werden – für das ganze Team.

Tatsache ist, dass Praxen im Wettbewerb nicht nur gegen einander antreten, sondern auch gegen den Rest der Welt – Reiseanbieter, Kfz-Gewerbe und der gesamte Verbrauchsgütersektor treten mit allen werblichen Mitteln an, ihr Angebot an den Mann zu bringen.

Wenn ich mir dann die Verlockung einer umfassenden Sanierungsbehandlung im Vergleich zu einem Urlaub in der Karibik ausmale, dann ….schreibe ich hier gar nicht mehr weiter.

Andererseits ist Jamaika mit Zahnschmerzen auch nicht prickelnd.

Aber Einbrüche in der Nachfrage wird es geben. Wie stellt sich nun die Praxis auf die vielen Patienten ein, die nach billigen Preisen oder dem berühmten Nulltarif fragen?
Hans-Uwe Köhler als Praxismanager einstellen – den gibt es nur einmal – oder die Qualitätsstandards der Praxis zeigen?

Dr. Armin Jäkel



04.09.2009

Knebelverträge und andere Verpflichtungen

Einhellig haben sich Kammern und KZVen über den Vertrag aufgeregt, den die DAK im Verbund mit IMEX deutschen Zahnärzten anbietet. Auf Inhalte will ich hier nicht eingehen, denn die beteiligten Praxen verorten sich damit im Low-Quality-Low-Price-Segment.

Die Formulierungen in den Kommentaren, die von Vertretern zahnärztlicher Körperschaften gewählt wurden, lassen aber aufhorchen. Von "Knebelverträgen" spricht der KZBV-Vize Dr. Eßer. Ihm ist anscheinend nicht bewusst, dass die eigentlichen und ziemlich umfassenden Knebelverträge KZV-Produkte sind und den Hintergrund dafür bilden, dass manchen Kollegen wirklich das "Wasser schon bis zum Hals steht".

Dagegen fällt sogar das Urteil des Kieler Kammerpräsidenten, Dr. Rubehn, ausgesprochen moderat und zutreffend aus, denn es ist tatsächlich "ausgemachter Unsinn, eine [zahnärztliche] Leistung unabhängig von der Anzahl der vorhandenen Zähne zu bepreisen." Wohl gesprochen! Andererseits haben Zahnärzte in Kammern nicht einmal Knebelverträge. Sie sind dort zwangsweise organisiert und haben Beiträge zu entrichten.

Der eigentliche Grund für die Empörung der Standespolitik wird klar, wenn der bayerische KZV-Vize, Dr. Reißig, von der "Geschlossenheit des Berufsstandes" spricht. "Wir Zahnärzte dürfen uns von einer Kasse nicht spalten und gegeneinander ausspielen lassen." Parolen, Parolen … Hat die ständig beschworene "Geschlossenheit des Berufsstandes" jemals etwas bewirkt? Außer dass die tüchtigen Kollegen mit den schwachen und wenig qualitätsbewussten in der öffentlichen Meinung über einen Leisten geschlagen werden?

Es ist die Furcht der Körperschaftsvorstände, dass sich an ihnen vorbei neue Strukturen entwickeln könnten, die bessere Antworten geben und eine differenzierte Sicht auf Preis und Qualität zahnärztlicher Leistungen schaffen könnten. Wettbewerb halten sie offenbar für das Grundübel schlechthin.

Im übrigen Wirtschaftsleben soll das Bundeskartellamt für Wettbewerb sorgen. In der Zahnmedizin – Praxen sind auch Unternehmen – ist das Kartell ein gewolltes Prinzip, das von seinen Regulatoren mit Klauen und Zähnen verteidigt wird. Da spielt auch die Qualität – semantisch wie logisch – nur eine untergeordnete Rolle. Schade eigentlich!

Dr. Armin Jäkel


02.09.2009

"Das Entrée sah aus wie in einer Whiskey-Lounge in Schottland, hat nur nicht so gut gerochen." (Besucher einer 'Nobelpraxis' in einer deutschen Großstadt)

In der guten Absicht, keine beklemmende Praxisatmosphäre aufkommen zu lassen und/oder den Patienten für die Praxis einzunehmen, setzen manche Kollegen auf feudale Ausstattungsdetails, die mit Chic und Weltläufigkeit imponieren sollen.

Ist das eine gute Idee? Nicht unbedingt. Patienten wissen sofort, dass sie auch das Ambiente irgendwie über ihre Rechnung mitfinanzieren müssen. Das ist aber nicht ihr Primärziel. Tatsächlich wollen sie mit nachhaltigem Erfolg behandelt werden. Sie verlangen Kompetenz, Fairness und Qualitätsindikatoren, die ihnen unmittelbar einleuchten.

Praxen sollten nicht hässlich, schon gar nicht angeschmuddelt wirken. Sie dürfen aber nach Arbeit aussehen und eine intensive Fachlichkeit ausstrahlen.

Dr. Armin Jäkel


27.07.2009

Ethische Fragen in der deutschen Zahnmedizin unterrepräsentiert

In der DZZ, dem offiziellen Organ der DGZMK, beschäftigen sich die Autoren D. Groß und S. Wolfart in einem Gasteditorial mit der Stellung ethischer Fragen in der deutschen Zahnmedizin: "Ethik – ein blinder Fleck in der deutschen Zahnheilkunde?"

Die derzeit geltende Approbationsordnung sehe entsprechende Ausbildungsanteile erst gar nicht vor. Die zahnärztliche Musterberufsordnung (MBO) sei wesentlich auf "Fragen der Etikette" ausgerichtet, also auf den kollegialen Umgang unter Berufskollegen.

Da kann es nicht verwundern, dass sich Zahnärztekammern und KZVen wesentlich mit Fragen der Honorarverteilung befassen und der Begriff der Patientenorientierung im Wesentlichen als Schlagwort in der gesundheitspolitischen Debatte missbraucht wird. Zahnärztliche Körperschaften haben ein grundsätzliches Strukturproblem, das ihnen eine dezidierte Beschäftigung mit ethischen Fragen nicht gestattet.

Wir wären schon einen wichtigen Schritt weiter, wenn saubere Behandlungsqualität generell als Grundprinzip ethischer Behandlung gesehen würde.

Armin Jäkel


28.06.2009

Veranstaltungen

-Sommer-


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TruDent Zahnärztliche Behandlungskonzepte AG

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